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Neurologische Rehabilitation motorischer und sensorischer Dysfunktionen

Vor dem Hintergrund der physiologischen Entwicklung motorischer und sensorischer Fähigkeiten eines Kindes lässt sich der Ansatz der neurologischen Rehabilitation am ehesten nachvollziehen. Ein Neugeborenes hat keine Haltungskontrolle (der Kopf muss gestützt werden), seine ungezielten Greifbewegungen entsprechen Primitivschablonen und die Verarbeitung sensorischer Reize beschränkt sich auf die Reflexebene (Schutz- bzw. Fluchtreflex). Im Laufe des ersten Lebensjahres - mit der Entwicklung der Hirnrinde - entwickeln sich sukzessiv motorische Programme wie Haltungskontrollen und gerichtete, grobmotorische - noch „tollpatschig“ anmutende – Bewegungsabläufe. Exploriert das Kind zunächst seine Umwelt im Liegen, „lernt“ es quasi automatisch frei zu sitzen, frei zu stehen und schließlich frei zu gehen. Komplexere, koordinierte Bewegungsabläufe (motorischer Output) und das Begreifen von Gegenständen und Umwelt (sensorischer Input) werden in den folgenden Lebensjahren erlernt und automatisiert.


Bedingt durch Erkrankungen des Nervensystems geht in der Kindheit mühsam Erlerntes zum Teil verloren. Verlorengegangene sensorische und motorische Fähigkeiten müssen „wiedererlernt“ werden.

 

Die neurologische Rehabilitation sensorischer/motorischer Störungen - unabhängig von der Ätiologie der Erkrankung des zentralen und peripheren Nervensystems - basiert im Wesentlichen auf folgenden Pfeilern:
 

  • Neurophysiologische Bewegungstherapie
  • Nutzen von Reflexmechanismen
  • Repetitives Setzen von sensorischen Reizen
  • Motorisches Lernen
  • Kompensation durch Ersatzstrategien

 

Unterschiedlich ist der Ansatz der neurophysiologischen Bewegungstherapie, welche therapeutische Übungsprogramme im Sinne „neuromuscular reeducation techniques“ inkooperiert. Genutzt werden zum Teil kutane und propriozeptive Stimuli sowie zentrale Faszilitation zur Aktivierung von Synergien, Bewegungsmustern und willkürlicher motorischer Aktivität, zum Teil spezifische Haltungstechniken bei gleichzeitiger Suppression von Synergien durch sensorischen Input und motorisches Feedback.Die Bedeutung des motorischen Lernens in der neurologischen Rehabilitation motorischer Störungen ist zentral. Motorisches Lernen impliziert repetitives Üben von Bewegungsabläufen und Handfertigkeiten. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte der direkte Zusammenhang zwischen Frequenz sowie verwendeter Zeit für selbstständiges Üben von Bewegungsabläufen/Handfertigkeiten und Verbesserung dieser aufgezeigt werden. Gezeigt wurde aber auch, dass bei Nichtüben wieder gewonnene motorische Fähigkeiten innerhalb von 4 Wochen sukzessiv verloren gehen. Insofern ist das Erarbeiten von Selbsttrainingsprogrammen, welche vom Betroffenen bereits während des stationären Aufenthalts selbständig geübt und Zuhause fortgesetzt werden zentraler Bestandteil unseres klinischen Programms. Durch konsequentes Üben des individuell erstellten Selbsttrainingsprogramms kann nicht nur ein anhaltender therapeutischer Effekt sondern auch eine weitere Verbesserung über die Zeit erreicht werden, natürlich nur unter der Voraussetzung der aktiven Partizipation des Betroffenen.


Zur Behandlung sensorischer Störungen ist die wiederholte Applikation sensorischer Stimuli essentiell. Vielfach nicht bewusst ist uns, wie abhängig wir in der Motorik vom sensorischen Input und Feedback sind. Das richtige Abschätzen von Distanzen bei Bewegungsabläufen (Greifen nach einem Glas) hängt ausschließlich vom sensorischen Input ab. Dass wir auf einem Waldweg nicht Stolpern hängt von der ungestörten Rückmeldung des Tastsinns (Oberflächen- und Tiefensensibilität) der Füße ab. Insofern bilden die sensiblen und motorischen Bahnen/Zentren des zentralen und peripheren Nervensystems zusammen mit den kognitiven Störungen ein assoziatives, komplementäres Integral. Diese Tatsache muss auch in der neurologischen Rehabilitation Berücksichtigung finden und verbietet jede isolierte Sichtweise. 

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